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Jubiläum
10 Jahre
Friedrich-Spee-Akademie
Die FSA MG feierte am 27.6.2009 ihr 10jähriges
Bestehen. Vor zahlreichen Ehrengästen aus Politik und Verwaltung erlebten
die gut 200 erschienenen Teilnehmer einen Nachmittag vom Feinsten: Ernste
und beschwingte Melodien, Gedichte und Sketche zeigten die Vielfalt des
Könnens der verschiedenen Chöre und Ensembles der FSA.
Peter Uhler, der Vorsitzende des Kulturausschusses der Stadt MG hielt die
Laudatio:
"Verehrte liebe Vera Kraus!
Liebe Ehrenvorsitzenden der FSA!
Liebe Vorstandsmitglieder!
Sehr geehrte Damen und Herren aus Politik und Verwaltung!
Liebe Gäste!
Meine Damen und Herren!
Ich könnte aber auch wie Vera Kraus viel einfacher sagen: „Liebe
Spee-Familie!“
Das Internet ist heutzutage das Medium schlechthin, ohne diese Einrichtung
könnte Manches in dieser Zeit nicht so akkurat, präzise und schnell erledigt
werden, wie wir es mittlerweile gewohnt sind. Das Leben ist ohne Computer
und Internet nicht mehr denkbar. Und trotzdem gibt es noch Dinge, die kann
man nicht mit diesen modernen Kommunikationsmitteln bewältigen, letztere
sind dann höchstens ein Hilfsmittel für einen guten Zweck – ich komme später
noch darauf.
Bleiben wir zunächst beim Internet:
Wenn man zur eigenen Information den Suchbegriff Friedrich Spee eingibt,
bekommt man in Sekundenschnelle ein Angebot von 12.900 Artikeln – ich
wiederhole 12.900! Also scheint etwas dran zu sein an diesem Menschen, an
seinen Ideen, die bis heute noch gelebt werden. Es scheint nicht nur so, es
ist so. Denn heute feiern wir das 10jährige Jubiläum der FSA
Mönchengladbach. Dazu gratuliere ich, auch im Namen des Kulturausschusses
der Stadt Mönchengladbach ganz herzlich.
Wer war Friedrich Spee und wieso gibt es überhaupt eine FSA hier in unserer
Heimatstadt? Das sind Fragen, die ich versuchen möchte, in der gebotenen
Kürze zu beantworten.
Friedrich Spee, auch Friedrich Spee von Langenfeld genannt, wurde am 25.
Februar 1591 in Kaiserswerth als Sohn eines kurkölnischen Beamten geboren.
Gegen den Willen seiner Eltern, die im Übrigen stets auf seine gute
Erziehung achteten, trat er als 19-Jähriger in Trier als Novize in den
Jesuitenorden ein. Weitere Stationen des jungen geistlichen Bruders waren
Würzburg, wo er Theologie studierte, Mainz, wo er zum Priester geweiht
wurde, Paderborn und Speyer.
Friedrich Spee gilt als geistlicher Schriftsteller:
Ab Herbst 1627 lehrte Friedrich Spee in Wesel und Köln. Auf Drängen der
Leiterin einer Frauengemeinschaft, der sog. Devotessen, verfasste er ein
Jahr lang wöchentlich ein Blatt mit Hilfen für das Gebet und geistliche
Besinnung. Es war das Güldene Tugend-Buch, das, wie Spee selbst sagt, zum
Brauchen angelegt ist und nicht nur zum Lesen. Eingeübt werden sollten die
drei göttlichen Tugenden des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe, wobei Spee
auf letztere besonders großen Wert legte.
Friedrich Spee gilt auch als Lyriker:
Sein lyrisches Hauptwerk ist die sorgfältig zusammengestellte Sammlung von
geistlichen Gesängen, genannt Trutznachtigall oder geistlich-poetisches
Lustwäldlein. Mit diesem Werk wird er zum bedeutendsten katholischen Dichter
des Barock. Noch heute singen wir in der Kirche seine Lieder wie O Heiland
reiß’ die Himmel auf oder Zu Bethlehem geboren.
Am meisten dürfte uns heute jedoch Friedrich Spee als Kritiker an Folter und
Hexenwahn bekannt sein:
Im Mai 1631 veröffentlichte er die cautio criminalis . Wörtlich übersetzt
heißt das die ein Verbrechen betreffende Vorsicht. Dieses Werk konnte man
zur damaligen Zeit nur unter diesem Titel und zunächst anonym erscheinen
lassen, wollte man sich doch nicht in Verdacht bringen, Hexen in Schutz zu
nehmen und somit den Satan zu stärken. Entgegen der in dieser Zeit
vorherrschenden Rechtsauffassung gab Spee als erster zu bedenken, dass
Folter möglicherweise nicht der Wahrheitsfindung diene. Daraus leitete er
ab, dass die als Hexen beschuldigten Frauen in Wirklichkeit unschuldig
seien, obwohl sie unter Folter ihr vermeintliches Vergehen bekannten. Von
daher gilt Friedrich Spee heute als Hexenverteidiger. Nach neueren
Forschungen ist es aber nicht sicher, ob er auch als Beichtvater für die der
Hexerei beschuldigten Frauen fungierte oder dieselben zum Scheiterhaufen
begleitete.
Fest steht aber, dass Friedrich Spee bei der Betreuung von verwundeten und
pestkranken Soldaten in Trier erkrankte und dort am 7. August 1635 im Alter
von 44 Jahren starb. Das Jubiläumsjahr der FSA MG war auch der Anlass,
weshalb eine Reisegruppe vor wenigen Wochen im Rahmen einer Studienfahrt
nach Trier sein Grab unter der Jesuitenkirche besuchte. Wenn man in die
ergriffenen Gesichter der Teilnehmer sah, dann weiß man, dass die Lehren
Spees auch heute noch ernst genommen werden. Wenn Sie meinen Ausführungen
gefolgt sind, meine Damen und Herren, dann werden Sie die Vielfalt seiner
Person und seiner Fähigkeiten erkannt haben. Diese differenzierte
Einstellung erkennen wir heute in der FSA MG wieder, deren 10jähriges
Bestehen wir heute feiern.
Deren Gründungsphase begann schon im Jahr 1997, also vor mehr als zehn
Jahren. Bis die Akademie wirklich gegründet wurde, sollte noch einige Zeit
vergehen.
Ausschlag gebend war eine Fahrt des Freundeskreises der Hilde Beilharz
anlässlich einer Kunstausstellung Ihres geschätzten Ehemannes Friedhelm
Beilharz nach Berlin. Auf der Rückfahrt berichtete der Gründer der FSA
Düsseldorf Bernd Lamprecht von den dortigen Erfolgen. Es sollte eine FSA für
den Regierungsbezirk Düsseldorf gegründet werden. Man traf sich dazu im März
1998 im Atelier Beilharz und wollte eine Bezirksakademie Düsseldorf gründen.
Im Vorstand sollten Vertreter aus Düsseldorf, Mönchengladbach und Erkelenz
sitzen. Doch zur Gründung kam es dann doch nicht, da die Mönchengladbacher,
allen voran Dieter Janzen, aus rechtlichen wie inhaltlichen Gründen lieber
selbstständig bleiben wollten. Darüber wurde – verständlicherweise –
natürlich nicht einvernehmlich diskutiert. Das Autonomiestreben gefiel den
Düsseldorfern nicht und man fand nicht zusammen. Dieter Janzen erreichte
inzwischen die persönliche Zustimmung von Graf Spee von Mirbach aus
Korschenbroich, den Namen Friedrich Spees, über den er die Rechte innehielt,
in der Bezeichnung der Mönchengladbacher Akademie zu verwenden.
So fand sich zunächst der Gründungsvorstand:
Hilde Beilharz
Friedhelm Beilharz
Brigitte Janzen
Dieter Janzen
Helene Josch
Herbert Josch †
Monika Kaee Andersen
Dieter Janzen erarbeitete eine Satzung und erreichte zusammen mit Hilde
Beilharz, dass die FSA MG in den Paritätischen Wohlfahrtsverband aufgenommen
wurde. Dies war und ist nötig, um als gemeinnützige Akademie anerkannt zu
werden. Es folgten wiederholte und schwierige Verhandlungen mit dem
Amtsgericht wegen der Namensgebung Akademie. Erst nachdem Dieter Janzen eine
umfangreiche Konzeption vorgestellt hatte und auf Vermittlung der Eheleute
Josch Vera Kraus als Pädagogische Leiterin gewinnen konnte, erklärten sich
die Rechtspfleger bereit, eine Eintragung vorzunehmen.
Damit war das Ziel endlich erreicht: Die
Friedrich-Spee-Akademie-Mönchengladbach e.V. wurde am 18. Januar 1999
gegründet.
1. Vorsitzender : Dieter Janzen
2. Vorsitzende : Hilde Beilharz
Schatzmeister : Herbert Josch †
Schriftführerin : Monika Kaae Andersen
Beisitzer : Friedhelm Beilharz, Brigitte Janzen und Helene Josch.
Als Geschäftsführerin wurde wegen ihrer umfangreichen Erfahrungen im
Vorstand der FSA Düsseldorf Elisabeth Bernecker † berufen und als
pädagogische Leiterin Vera Kraus.
Hilde Beilharz verfügte auf Grund ihrer Einladungslisten zu
Bilderausstellungen von Friedhelm Beilharz über rund 150 Adressen. Daraus
wurden gut 100 Leute zur Gründungsfeier und ersten Programmvorstellung am 5.
Juni 1999 – also vor ziemlich genau zehn Jahren – ins Haus Beilharz
eingeladen. Die ersten 100 Programmhefte wurden verteilt, damals in noch
recht einfacher Form von den Eheleuten Janzen in Handarbeit zu Hause
hergestellt.
Am 24. September 1999 fand die erste Veranstaltung statt: Besuch eines
internationalen Malerwettbewerbs in Kirn / Nahe.
Die FSA MG entwickelte sich sehr schnell zu einem großen Erfolg. Es
entwickelte sich eine nahezu rasante Eigendynamik, die einerseits durch die
Attraktivität des Programmangebots entstand, andererseits durch die
Begegnungen der Menschen, die nicht zuletzt auf Grund ihrer Lebenssituation
zueinander passten. Zunächst waren es Menschen im Alter von 60 bis 75. Diese
Altersgruppe ist auch bis heute noch in der Mehrheit. Doch zunehmend öffnet
sich die FSA auch nach unten. Schließlich handelt es sich um eine Akademie,
die mithilft, die zweite Lebenshälfte zu gestalten – und die beginnt nun
einmal mit 40 Jahren. Ich fordere den Vorstand gerade anlässlich des
heutigen Jubiläums auf und ermutige ihn, sich besonders auch um diese
Altersgruppe zu bemühen, denn ohne Nachwuchs geht jeder Verein einmal zu
Ende.

Lassen Sie mich, meine Damen und Herren, noch ein wenig mit der
Jubiläumszahl 10 spielen:
Die Vielfalt der Veranstaltungen – jetzt sind wir wieder bei Friedrich Spee
– trägt mit dazu bei, dass aus den 100 Spee-Freunden mittlerweile weit über
1.000, also mehr als das Zehnfache, wurden. Statistisch gesehen wurden damit
jedes Jahr über 100, also 10 mal 10 Leute, dazugewonnen. Wenn man rechnet,
dass in jedem Semester ca. 10 Veranstaltungen stattfinden, sind das im Jahr
20. Zu jeder Veranstaltung kommen – sehr gering gerechnet – mindestens 50
Personen, dann sind das 1000 Leute im Jahr, dies mal zehn genommen, sind wir
bei bisher 10.000 Teilnehmern an verschiedenen Veranstaltungen. Das muss ein
Verein – gerade im schwierigen Sektor Bildung erst einmal nachmachen.
Die konstante Zahl der Teilnehmer liegt natürlich vor allem an der Qualität
und Vielfalt der Veranstaltungen. Hier gibt es Kunst und Musik, Wissenschaft
und Unterhaltung, Nützliches und Wissenswertes, Tagesausflüge und
Studienreisen innerhalb Deutschlands, Europas und der USA. Welche Akademie
oder welcher Bildungsverein hat schon einen eigenen Chor geschweige denn
mehrere. Das gibt es nur bei der FSA MG. Mit der Programmgestaltung wandelt
die Akademie auf den Spuren Friedrich Spees und führt sein Werk, seine Ideen
weiter.
Auch die Personen, die für die Akademie verantwortlich waren und sind,
tragen mit zu dieser Kontinuität bei. Natürlich gibt es in Vorständen auch
Wechsel von Personen und Positionen. Nachdem im Jahre 2002 Dieter Janzen
nicht mehr für das Amt des Vorsitzenden kandidierte, wurde Jürgen Daems zum
neuen Vorsitzenden gewählt. Ihn löste im Jahr 2003 Hilde Beilharz ab. Auch
die neue Vorsitzende ist keine Unbekannte, seit 2008 heißt sie Vera Kraus.
Vera Kraus zeichnete sich schon durch ihre unermüdliche Arbeit als
Pädagogische Leiterin aus und lebt praktisch heute für die FSA.
Sie sehen, meine Damen und Herren, auch im Personenkreis der FSA gibt es
eine Beständigkeit. Das heißt aber nicht, dass nicht auch dort neue
Gesichter zu sehen sind. Dem Programmheft können Sie die Namen und
Telefonnummern der Verantwortlichen entnehmen. Alle stehen Ihnen gerne für
Fragen und Anregungen zur Verfügung.
Um ihre Verdienste zu würdigen, wurden Dieter Janzen und Hilde Beilharz zu
Ehrenvorsitzenden ernannt. Mittlerweile gibt es auch einen Beirat und
Ehrenmitglieder, die jederzeit mit Rat und Tat zur Verfügung stehen.

Alles in Allem ist festzustellen:
Die Stadt Mönchengladbach und ihre Bürger können froh und stolz darauf sein,
dass es diese Akademie gibt, dass es Menschen gibt, die so im eben
geschilderten Sinne Friedrich Spees arbeiten – im Sinne des Menschen, im
Sinne der Bildung, im Sinne des Miteinanders.
Und wenn Friedrich Spee dies alles mitbekäme, würde er sich freuen über so
viele Verbündete in einer guten Sache, die er begründet hat und die diese
eben genannten Menschen im Sinne der heutigen Zeit weiter fortführen.
Vielen herzlichen Dank für Ihre Arbeit und herzlichen Glückwunsch zum
Jubiläum. Möge die FSA noch viele Jahrzehnte weiter bestehen und mögen sich
immer wieder Menschen finden, die diese Arbeit im Sinne des Urhebers
weiterführen.
Wie sagen die alten Lateiner: Academia Frederici Spee vivat, floreat,
crescat!
Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. Lassen wir
uns nun in die musischen Gefilde entführen!"

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